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Apr 06

Kapitalmärkte

Der Kapitalmarkt ist der Finanzmarkt für mittel- und langfristige Kapitalbeschaffung. [1] Hier treffen Angebot und Nachfrage aufeinander. Die Motive der Marktteilnehmer, Kapital bereitzustellen oder aufzunehmen, sind vielfältig. Als Marktteilnehmer werden im Folgenden nur Unternehmen und Privathaushalte betrachtet. Letztlich sind die Privathaushalte die Eigentümer der Unternehmen. Sie nutzen die Unternehmen, um zu investieren. [2]

Die nebenstehende Abbildung zeigt die Beziehung zwischen Unternehmen und Haushalten auf dem Kapitalmarkt. Auf der einen Seite benötigt ein Unternehmen in der Regel hohe Geldbeträge, möchte das Geld
langfristig in Investitionsprojekte binden und die Rückflüsse aus den Investitionen sind riskant.

Auf der anderen Seite verfügt ein einzelner Haushalt über ein vergleichsweise geringes Anlagevolumen, möchte zur Not schnell an sein Geld kommen können und wenig Risiko eingehen. Damit klaffen die Bedürfnisse in den drei Dimensionen Höhe, Laufzeit und Risiko auseinander. Der Kapitalmarkt hat nun die Funktion, diese unterschiedlichen Bedürfnisse aufeinander abzustimmen. Dies geschieht über eine entsprechende Ausgestaltung der auf ihm gehandelten Finanztitel. [2]

Ein Finanztitel ist die vertragliche Festlegung der Rechte und Pflichten von Kapitalgeber und -nehmer (z.B. auf Börsen gehandelte Wertpapiere, Bankkredite und Gesellschaftereinlagen). Durch eine entsprechende Ausgestaltung der Finanztitel lassen sich die genannten unterschiedlichen Bedürfnisse der Kapitalgeber auf der einen und Kapitalnehmer auf der anderen Seite in Übereinstimmung bringen (Transformationsfunktionen der Finanztitel). [3]

Größentransformation [4]

  • Volumenmäßige Zerlegung des Kapitalbedarfs in kleinere Teile und anschließende Aufteilung auf viele Kapitalgeber

Beispiel

Ein Unternehmen, dass ein Kapitalvolumen in Höhe von 10 Mio. € aufnehmen möchte, stückelt seinen Kapitalbedarf in 1.000 Stück Schuldverschreibungen mit einem jeweiligen Nennwert von
10.000 €. Es muss dann niemanden finden, der bereit ist, die vollen 10 Mio. € zu geben, sondern nur hinreichend viele Kapitalgeber, die jeweils mindestens 10.000 € anlegen möchten.

Fristentransformation [4]

  • Deckung eines langfristigen Kapitalbedarfs indem Finanztitel mit kurzer Fristigkeit hintereinander geschachtelt werden

Beispiel

Wenn ein Unternehmen 10 Mio. € mit einer Laufzeit von 10 Jahren benötigt, können im Umfang von 10 Mio. € zunächst Finanztitel mit einer Laufzeit von 2 Jahren ausgeben. Wenn der Betrag nach 2 Jahren fällig wird, gibt das Unternehmen wiederum Finanztitel im Umfang von 10 Mio. € mit einer Laufzeit von 2 Jahren aus usw.

Risikotransformation [5]

  • Geschieht, indem eine unsichere Gesamtposition in unterschiedlich riskante Einzelpositionen zerlegt wird
  • Macht Sinn, wenn Kapitalgeber unterschiedliche Einstellungen zum Risiko haben und deshalb unterschiedlich hohe Prämien für die Übernahme von Risiko verlangen
  • Für den Kapitalnehmer geht es darum, insgesamt möglichst wenig Risikoprämien (in Form von Preisabschlägen) zu zahlen
  • Kapitalgeber mit geringer Risikoaversion verlangen nicht so hohe Preisabschläge beim Kauf unsicherer Finanztitel

Beispiel

Ein Unternehmen erwartet aus dessen Investitionen Rückflüsse, die zwischen 0,5 und 2 Mio. € schwanken. Man könnte Finanztitel ausgeben, bei denen die damit verbundenen Zahlungsansprüche
0,5 Mio. € nicht überschreiten und diese zusätzlich mit dem Recht auf vorrangige Bedienung verknüpfen.

Zu diesen sicheren Finanztiteln können unsichere Finanztitel ausgegeben werden, bei denen die damit verbundenen Zahlungsansprüche nicht fixiert sind sondern von der Höhe der verbleibenden
unsicheren Rückflüsse abhängen.

Die unsichere Gesamtposition (0,5 bis 2 Mio. €) wird damit in eine sichere (0,5 Mio. €) und eine unsichere (0 bis 1,5 Mio. €) Position zerlegt.

Unterstützt werden die Transformationsaufgaben durch die Existenz eines so genannten Sekundärmarktes (Gegenstück zu Primärmarkt).

Als Primärmarkt (oder Emissionsmarkt) wird derjenige Kapitalmarkt bezeichnet, auf dem Finanztitel zum ersten Mal ausgegeben (emittiert) werden. Hier entsteht eine unmittelbare Handelsbeziehung
zwischen dem Emittenten und den Anlegern.

In Abgrenzung dazu ist der Sekundärmarkt (oder Umlaufmarkt) zu sehen. Hier wird mit bereits vorhandenen Finanztiteln gehandelt. Regelmäßig handeln hier Anleger untereinander, also ohne den
Emittenten.

Im Speziellen soll der Kapitalmarkt also die genannten Transformationsfunktionen erfüllen. Allgemein soll er eine maximale Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage nach Wertpapieren
schaffen (Marktausgleich) und das Kapital in die Investitionen mit der höchsten Rendite lenken (Lenkungsfunktionen). Weiterhin soll er sicherstellen, dass den Akteuren Informationen zur
Entscheidungsfindung bereitgestellt werden (Funktionsschutz) und den Investoren eine Schutz gegenüber anderen Teilnehmern bieten, die sich einen Vorteil mit Informationsvorschüben auf
Lasten der Anleger verschaffen wollen (Individualschutz). [1]

Sowohl für die Unternehmen als auch für die gesamte Volkswirtschaft ist der Kapitalmarkt von immenser Bedeutung. Die Unternehmen benötigen viel Geld, um zu investieren und somit ihr Fortbestehen zu sichern.

Ein einzelner Haushalt kann aber den Kapitalbedarf eines Unternehmens nicht decken. Deshalb ist ein „Ort“ notwendig, an dem die Finanzkraft vieler zur Verfügung gestellt wird.

Was für das einzelne Unternehmen Investitionen in Fortschritt und Zukunft möglich macht, fordert im Hinblick auf viele Unternehmen natürlich die gesamte Volkswirtschaft. Für sie ist der Kapitalmarkt damit ein Motor.

Literaturverzeichnis

Monographien

  • Universitätsprofessor Dr. Hans Hirth (2005): Grundzüge der Finanzierung, Oldenbourg 2005, ISBN: 3-486-57783-2

Internetquellen

  • Wikipedia (2009): Kapitalmarkt. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalmarkt, Abruf am 14.04.2009

Fußnoten

  1. [1]http://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalmarkt
  2. [2]Hirth (2005), S. 117
  3. [3]Hirth (2005), S. 118
  4. [4]Hirth (2005), S. 119
  5. [5]Hirth (2005), S. 120